Am 9. Juni kommt der streitbare Journalist und Autor Robert Misik ins Red Buddha Plenum und wird mit uns über sein neues Buch
"Gott behüte! Warum wir die Religion aus der Politik raushalten müssen"
plaudern.
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href="http://www.misik.at/gott-behute-themen-debatte/gegen-verwestlichung.php">Gegen Verwestlichung
Nicht nur in Polen, auch in Russland mengen sich Kleriker zunehmend in die Politik ein. Lokale Marotte ist das nicht – sondern ein gefährlicher Trend der Zeit. Report,
April 2008Religionen sind nie unpolitisch – mögen wir uns, aus der Perspektive des weltanschaulich neutralen, säkularen Staates, wie er sich in Westeuropa herausgebildet hat, auch angewöhnt haben, den Glauben als Privatsache anzusehen. Glaubensgemeinschaften produzieren etwas, ohne das auch politische Gemeinschaften nicht auskommen: Zusammengehörigkeitsgefühl, die Bereitschaft der Mitglieder einer Gemeinschaft, füreinander einzustehen. Der Glaube ist nie zur Gänze etwas, das der Gläubige nur mit seinem Inneren ausmacht. Die Glaubensgewissheiten und die Vorstellungen von einem guten – und im Umkehrschluss: einem schlechten – Leben gehen Hand in Hand wie Laurel und Hardy. Kurzum: Eine religiöse Gemeinschaft hat immer auch eine, manchmal klarere, manchmal diffusere Vorstellung von dem, was ein sittliches Leben ausmacht. Sie hat in ihrem Innersten ein Set an Gewissheiten, wie das sittliche Zusammenleben der Menschen in einer moralischen (oder gottgefälligen) Gesellschaft geregelt werden sollte.Haben sich in Westeuropa die religiösen Autoritäten in den vergangenen vierzig Jahren auch zurückgehalten mit offenem politischen Engagement, so greifen religiöse Lobbygruppen auch hier zunehmend in den öffentlichen Diskurs und die politische Debatte ein. Sie haben ihre Meinung zu Fragen wie Abtreibung, Anti-Baby-Pille und Kondomnutzung, Blasphemie, Pornografie, Lehrplänen in den Schulen, zur Evolutionstheorie, zur Eheschließung von Homosexuellen oder zu den Außengrenzen der Europäischen Union. Und sie wollen meist auch, dass aus ihren Meinungen staatliche Gesetze werden.Warum, fragte unlängst der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, sollten die religiösen Überzeugungen auch nicht in Politik umgesetzt werden dürfen? Schönborn: „Natürlich dürfen sie das. Das sind ja die Überzeugungen der Bürger.“ Die katholische Kirche in Westeuropa mengt sich neuerdings wieder mit weniger Zurückhaltung in die politische Sphäre ein. Das hat mehrere Gründe. Einer ist, dass sich schlicht die Perspektive auf „Säkularisierung“ geändert hat, seit von der „Renaissance der Religionen“ die Rede ist. Bisher hatten auch die Religiösen den Eindruck, die Säkularisierung sei einfach ein Zug der Zeit und sie müssten sich mit schwindendem Einfluss abfinden. Doch in den vergangenen fünfzehn Jahren wurden weite Weltgegenden von einer regelrechten Spiritualisierungswelle überzogen. Die muslimische Welt besann sich auf einen - oftmals radikalen - Islam, in den USA entwickelten sich evangelikale Protestanten zu eine schlagkräftigen politischen Macht, Lateinamerika erlebte eine zweite Christianisierung und Afrika wird wieder aggressiv missioniert. Und in Osteuropa stießen die christlichen Kirchen (und im asiatischen Süden der ehemaligen UdSSR der Islam) in das Vakuum vor, das die Kommunisten hinterlassen hatten. Plötzlich wirkt der westeuropäische Säkularismus wie der welthistorische Sonderweg, die politisierenden Religiösen scheinen der Normalfall zu sein. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kleriker aller Richtungen.Die osteuropäischen Kirchen hatten ohnehin einen Sonderweg eingeschlagen – die einen in den vergangenen sechzig, die anderen über viele hundert Jahre schon. Kein Fall gleicht hier dem anderen. In den Ländern, in denen die Reformation stark war – allen voran die tschechische Republik, aber auch in Ungarn –, sind die Religiösen auch heute gesellschaftlich und politisch am Rand. In anderen Ländern, vor allem in Polen, Russland, in den postsowjetischen Republiken und den Ländern des ehemaligen Jugoslawien haben die Kirchen teils entscheidenden Einfluss auf das politische Leben gewonnen.In Polen, mehrfach geteilt, war die Kirche schon vor der kommunistischen Ära die Klammer, die die Gesellschaft zusammen hielt. Sie „ersetzte über Jahrhunderte den fehlenden Staat“, wie der Schriftsteller Richard Wagner formulierte, und sie war auch während der kommunistischen Volksrepublik so etwas wie der „Garant des Polentums“ gegenüber der Fremdbestimmung durch die Kommunisten, über die schließlich die Sowjets die Hand hielten. Wagner: „Das Bekenntnis zur Kirche enthielt die implizite Absage an den Kommunismus.“ Die polnische Kirche war also so etwas wie eine Wagenburg und konnte sich lange gegen den Wind der Moderne, der den westeuropäischen Glaubensbrüdern um die Ohren blies, abschotten. Auch dank des Einflusses des polnischen Papstes entwickelte sich ein politisch militanter Rechtskatholizismus, der sich heute um die nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) und radikalere Kräfte gruppiert, oder um die fundamentalistische und antisemitische Medienholding von „Radio Maryja“. Die polnische katholische Kirche ist gewiss ein Fall für sich, auch wenn der Katholizismus in Kroatien oder der Slowakei ähnliche Tendenzen zeigt. Wobei in Kroatien und der Slowakei die politische Dimension des Religiösen noch in einer anderen Hinsicht offensichtlich ist: die Konfessionen sind es ja schließlich, die Kroaten von Serben und Slowaken von Tschechen unterscheidet, ein nicht unwesentliches Element des (im jugoslawischen Fall gewalttätigen) Auseinanderbrechens der früheren, multiethnischen Staaten.In Russland liegen die Dinge gleichzeitig ähnlich und signifikant anders. Die autokephalen Orthodoxien des Ostens waren immer Nationalkirchen und damit beinahe so etwas wie Staatskirchen – eine Tradition, die auch die Jahre religiöser Unterdrückung durch die kommunistischen Machthaber nicht auslöschen konnten. Diese Kirchen sind schon von daher „politischer“, weil sie einerseits immer Gefahr laufen, unter staatliches Kuratel zu kommen, andererseits aber viel direktere legitimatorische Funktion für die jeweiligen Herrschenden haben. An dieses Erbe schließt die russische orthodoxe Kirche unter Präsident Wladimir Putin wieder an. Demonstrativ erbat Putin den Segen des Patriachen, „indem er sich demütig über dessen Hand beugt“ (Elfie Siegl in Eurozine). Für Kandidaten der Kremlpartei beten gelegentlich auch Popen. Offen verfolgt Putin die Strategie, die fragile russische Identität mit Hilfe der Orthodoxie zu stärken: „Gerade ihr kommt nach dem langjährigen Unglauben, nach sittlichem Niedergang und Gottesfeindlichkeit eine gewaltige Aufgabe zu, die russischen Gebiete auf geistlichem Wege zu vereinigen“, so der Präsident, der übrigens schon in seinem Vorleben als kommunistischer KGB-Agent immer ein Kettchen mit einem Kreuz um den Hals trug – damals freilich verschämt unter dem Hemd.Identitätspolitik heißt immer: Homogenisierung nach innen und Abgrenzung nach außen. Dieser „orthodoxe Patriotismus“ ist doppelt brisant. Erstens: Die Orthodoxie wird als Gegenprojekt zur „Verwestlichung“ positioniert, in Abgrenzung zur liberal-demokratischen Moderne des Westens. Zweitens: Die Orthodoxie wird in den Nationalitätenkonflikten instrumentalisiert. Denn diese Konflikte am Rand des zerfransenden imperialen Staates sind ja auch religiös codiert – man denke nur an die niederkartäschten Sezessionsgelüste der „muslimischen“ Tschetschenen.Das Resultat sind Anzeichen einen „orthodoxem Fundamentalismus“. Die brisante Vermischung von religiöspolitischen mit nationalitätenpolitischen Fragen macht die Kirche empfänglich für eine Politik der harten Hand und militärische Abenteuer. Der antiwestliche Reflex führt zu einer ostentativen Ablehnung all jener Praktiken, mit denen das westliche Christentum assoziert wird, und dazu gehört auch die relative politische Abstinenz des Katholizismus. So wird in der jüngsten „Sozialdokrtin“ der russischen orthodoxen Kirche eine enge Verflechtung von staatlicher und religiöser Politik als Idealbild des Staates entworfen, die weltanschauliche Neutralität des Staates dagegen als Negativentwicklung interpretiert, die von den westlichen Kirchen mitgetragen wurde.Militanter Antimodernismus und Antiliberalismus wird legitimiert. So wurden sowohl in St. Petersburg und in Moskau Ausstellungen moderner Kunst von Vandalentrupps heimgesucht, die „blasphemischen“ Kunstwerke wurden zerstört (darunter ein Pop-Art Jesus mit Coca-Cola-Schriftzug oder Wodkaflaschen mit Zwiebelkuppen).Man hüte sich, das als lokale Marotten leicht rückständiger Gesellschafen abzutun. Die politischen Versuchungen der religiösen Autoritäten mögen an verschiedenen Orten verschiedene Ursachen haben, sie haben aber auch eine Wechselwirkung und schaukeln sich gegenseitig hoch. Die christlichen Kirchen werden militanter, weil sie sich vom Islam herausgefordert werden, die katholischen Episkopate des Westens – etwa in Spanien und Italien – werden auch deshalb wieder politisch aktiver, weil sie mit Exempeln von Klerikalpolitik anderswo konfrontiert sind, die sie aus ihrer Sicht als erfolgreich wahrnehmen.Das Resultat ist kein erfreuliches: Die Rückkehr der religiösen Leidenschaften in die Politik.
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"Gott behüte! Warum wir die Religion aus der Politik raushalten müssen" - mein neues Buch im Wiener Ueberreuter-Verlag.
Karl Marx hielt die Religionen für das "Opium des Volkes". Heute wissen wir: Sie sind weniger ein Beruhigungsmittel, um die Härten des Lebens zu ertragen, sondern das Aufputschmittel der Völker - bestens geeignet, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.
Trotzdem wird unverdrossen die "Rückkehr des Glaubens" herbeigesehnt. Die Religionen würden den Menschen Sinn geben, heißt es. Dabei sind die Religionen gefährliche Unsinn-Ressourcen. Renaissance der Religion führt zum täglichen Kleinkrieg der Kulturen, zur Konkurrenz der Fundamentalismen.
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26. März, um 19 Uhr im Republikanischen Klub, Rockhgasse 1, 1010 Wien
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Ein kleiner Appetizer aus dem profil findet sich hier, ein paar Überlegungen zur Frage, was denn eigentlich Religionskritik ist, hier und hier (englisch), mein Falter-Essay zur "Renaissance der Religionen" hier. Diverses zu Islam & Islamismus hier.
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Ein Gespräch, das Wolfgang Ritschl für die Ö1-Sendung "Kontext" mit mir führte können Sie hier hören.
"Gott behüte! - Der ausrufende Titel ist Programm und gleichzeitig Provokation" Der Standard, Wien.
"Wo Religion ist, meint Misik, ein kluger linker Kopf aus Österreich, da ist Eiferertum nicht weit." Der Tagesspiegel, Berlin.
"Misik erweist sich immer wieder als kluger Analytiker mit überraschenden Deutungen. Dies zeigt sich auch und gerade bei der Auseinandersetzung mit der Frage nach der Kompatibilität von Demokratie und Islam. Dies sei nicht das Problem, Religionen wären grundsätzlich demokratiefähig - sofern sie ihren Machtanspruch verloren hätten." Armin Pfahl-Traughber
"Misiks Angst, der aggressive Islamismus würde gleichsam eine Fundamentalisierung des nach eigener Aussage "geläuterten" Christentums in Europa nach sich ziehen, erscheint dann eben auch recht neurotisch. Wochenzeitschrift "Das Parlament".
"Überzeugend, handfest, spannend" Jugendmagazin FM 5.
Alle Rezensionen gesammelt können Sie hier sehen.
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Im Folgenden schon einmal ein kleiner Auszug aus dem Schlusskapitel:
Gott schütze uns vor der Rückkehr der Religionen!
Jeder soll glauben, wozu er lustig ist. Nahe Verwandte von mir glauben, dass es Unglück bringt, einen Hut auf das Bett zu legen oder zurückzugehen, wenn man einmal die Wohnung verlassen hat. Damit schaden sie niemandem (außer mir, weil ich es bin, der zurückgehen muss, wenn sie etwas vergessen haben). Aber sie wollen nicht, dass alle Menschen glauben, dass Zurückgehen Unglück bringt. Sie meinen nicht, dass Menschen, die zurückgehen, Ungläubige sind, der ewigen Verdammnis preisgegeben. Sie haben um ihre Überzeugung, dass der Hut am Bett das Pech anzieht, auch keineswegs eine Fülle moralischer Imperative gruppiert, seien es sinnvollere („Du sollst keinen Hutträger töten“) oder unsinnigere („Menschen ohne Hut sind unrein“). Sie finden auch nicht, dass man die Lehre vom verderblichen Zurückgehen in den Schulen unterrichten soll. Und sie sind insbesondere nicht der Meinung, dass Menschen, die die Hut- oder Nicht-zurückgeh-Lehre nicht teilen, einer anderen Kultur, einer anderen Zivilisation angehören, von der man Abstand halten oder die man sogar aktiv bekämpfen solle. ...
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