Das Konzept des "Nicht-Ich" (anatta) ist ein zentraler und oft missverstandener Bestandteil buddhistischer Denkweise.
{Eine sehr tiefgreifende Abhandlung über "anatta" findest du in
'Die Lehre des Buddho(sic!). Die Religion der Vernunft und der Meditation'
(schon 1917 von Georg Grimm geschrieben)!
Ich selbst habe in diesem Buch ein 3/4 Jahr jeden Abend zwischen 3-8 Seiten gelesen, bis ich es durch hatte. Bis jetzt das einzige Buch, in dem ich KEINEN logischen Widerspruch entdecken konnte!}
hier nun:
Ajahn Buddhadasa: "ANATTA UND WIEDERGEBURT"
Der vollständige Text ist als PDF les-, druck- und speicherbar unter http://www.kbconline.org/pdf/ajahnBuddhadasaAnattaWiedergeburt.pdf zu sehen.
Heute wollen wir erst über "anatta" (Nicht-Selbst) und dann über Wiedergeburt sprechen.
Wenn wir "anatta" richtig verstanden haben, wird es leichter sein, auch Wiedergeburt richtig zu verstehen.
Das Gefühl man sei ein Selbst, entsteht ganz natürlich und instinktiv. Aufgrund dieses Gefühls sprechen die Menschen von einem "Selbst" ("atta"). Dann lehren sie, daß es ein höheres Selbst gibt, eines, das besonders bedeutsam oder tiefgründig ist.
So entwickelt sich das Selbst-Gefühl, durch einen Lern- und Erziehungsprozeß, zu einem Glauben an ein höchstes Selbst, eine ewige Seele.
Dieser Glaube und diese Lehre waren zur Zeit des Buddha weitverbreitet.
Er jedoch lehrte das Gegenteil, nämlich daß alle Dinge anatta, Nicht-Selbst sind.
Die Primitiven, die vor langer Zeit in Wäldern und Höhlen lebten, glaubten an ein atta . Sie glaubten auch an Geister, "Kräfte" und Gespenster, die als Wesen mit einem Selbst angesehen wurden.
Diese weitverbreiteten Vorstellungen entstehen leicht im menschlichen Geist.
Gibt es erst einmal die Lehre von einem Selbst, dann dauert es nicht lange und es entstehen Zeremonien, Riten und Rituale, die sich auf Geister, Engel, Dämonen und andere "Wesenheiten" beziehen. Mit fortschreitender Zivilisation, entwickelten sich sowohl der Glaube an ein Selbst und an Geister, als auch die zugehörigen Zeremonien und Rituale, weiter.
Die höchste, am weitesten entwickelte Version dieses Glaubens in Indien trat in der Zeit der Upanishaden auf. Diese lehrten ein atta, wie jenes an das man heutzutage glaubt: es gibt ein Selbst - eine grundlegende Basis oder Realität - in den lebenden Wesen, die sich aufeinanderfolgend reinkarniert. Es wird durch diese lange Abfolge von Geburten langsam gereinigt, bis es in der Ewigkeit endet. Dies ist die höchstentwickelte Theorie des primitiven Glaubens an ein Selbst. So muß das höchste atta (paramatman - "Höchstes Selbst") gelehrt werden.
Diese Lehre eines Selbst oder einer Seele verbreitete sich von Indien ausgehend in anderen Kulturen rund um die Welt. Die meisten Kulturen waren für diese Idee empfänglich und empfanden sie als willkommene Bereicherung der bereits vorhandenen Lehren. Sogar in Thailand wurde die upanishadische Lehre verbreitet bevor der Buddhismus hier ankam.
Das war also die Situation bevor der Buddha erschien. Die Lehre des höchsten Selbst wurde als die höchste, neueste und hervorragendste Lehre angesehen. Der Buddha jedoch dachte auf eine neue Weise. Er sah, daß diese Lehre vom Selbst nicht der Wahrheit entsprach.
Erstens, existiert das, worüber sie sprachen eigentlich nicht.
Zweitens, ist dieser Glaube an atta , - an die Lehre, daß atta existiert - , die Ursache von dukkha ("Leiden"/"Unzufriedenheit"/...).
Er wies darauf hin, daß alles dukkha auf dem basiert, was wir "Selbst" nennen.
Der Buddha lehrte anatta aus diesen zwei Gründen:
atta ist nicht wahr und es ist die Ursache von Dukkha.
So entstand die Lehre von anatta .
Wir sollten auch wissen, daß nicht-buddhistische Gruppen ebenfalls schon begonnen hatten, in gewissem Maße von anatta zu sprechen.
Bei ihnen handelte es sich aber um .....
...
...
Nun kommen wir zum wichtigsten Aspekt bei diesem Thema. Der Buddha sagte: "Ich lehre nur eines: dukkha und das Erlöschen von dukkha".
Darum handelt es sich bei all den Lehren: dukkha und das Erlöschen von dukkha.
Buddha sprach nicht von anderen Dingen.
Ob es Wiedergeburt gibt oder nicht, ist nicht die entscheidende Frage. Ist man erst einmal hier und jetzt geboren ist man mit dukkha konfrontiert, und das muß gelöscht werden. Sogar wenn du wiedergeboren würdest, ist dukkha, wie es ist, und muß auch dementsprechend gelöscht werden.
Sprecht darüber, wie dukkha entsteht und wie dukkha gelöscht wird. Das ist genug.
Aus diesem Grund lehrte der Buddha anatta. Wenn anatta vollständig verstanden wurde, gibt es kein dukkha mehr. Wenn es kein atta gibt, wird dukkha nicht mehr geboren. Deshalb lehrte er das Erlöschen von dukkha, das heißt er lehrte diese Sache mit dem Nicht-Selbst. Die Lehre von anatta ist grundlegend für das Ende von dukkha.
Diskussionen darüber, ob es Wiedergeburt gibt oder nicht, sind Zeitverschwendung. Ob "es" geboren werden wird oder nicht, diese unerledigte Angelegenheit des Löschens von dukkha, bleibt nach wie vor bestehen. Deshalb ist es ist besser statt dessen über das Erlöschen von dukkha zu sprechen.
Dieses Erlöschen von dukkha ist die Erkenntnis der Tatsache, daß es kein atta gibt, ist das Verständnis, daß alles anatta ist.
Wir beenden diesen Vortrag mit der Feststellung, daß wenn Ihr anatta wirklich und wahrhaftig versteht, Ihr selbst entdecken werdet, daß es keine Wiedergeburt und keine Reinkarnation gibt.
Damit ist diese Angelegenheit abgeschlossen.
Der vollständige Text ist als PDF les-, druck- und speicherbar unter http://www.kbconline.org/pdf/ajahnBuddhadasaAnattaWiedergeburt.pdf zu sehen.
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